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Hier bloggt das TACWRK in Berlin
Tasmanian Tiger - Behind the Brand

Behind the Brand – zu Besuch bei Tasmanian Tiger

“Ich hab’ noch die alten Sachen, als Patrick die Designs noch selber gemacht hat. Wo produzieren die denn Ihre Sachen? Ach, die mit dem Tiger im Logo. Ja die kenn’ ich – die bekommen wir auch dienstlich!”

So in etwa könnt Ihr Euch ein typisches Gespräch in unserem Berliner Showroom vorstellen, wenn wir mit einem Kunden über eine der über 100 Marken aus unserem Sortiment sprechen. Selbst bei uns im Team gehen die Meinungen sehr weit auseinander, wer momentan die besten Rucksäcke baut und so kann ein gemeinsames Mittagessen schon mal in eine angeregte Diskussion ausarten. Mit unserer neuen Serie “Behind the Brand…” wollen wir Euch deshalb in jedem Magazin einen unserer Lieblingshersteller genauer vorstellen. Für das erste Magazin ist unsere Wahl auf den deutschen Hersteller Tasmanian Tiger gefallen.

Warum fiel die Wahl auf Tasmanian Tiger?
Durch verschiedene Ursachen sehen wir seit einer gewissen Weile eine Verschiebung im Markt zurück zu den europäischen Herstellern. Schaut Euch die IWA an – wo bis vor ein paar Jahren noch die jährliche SHOT Show die Pilgerstätte der gesamten Industrie darstellte, mausert sich eine kleine “Jagdmesse” in Nürnberg zu einem international anerkannten Treffpunkt für das Who is Who der taktischen Szene. Marken wie TT oder UF-Pro haben diesen Trend frühzeitig erkannt und einen entsprechenden Fokus auf die Entwicklung von neuen Produkten gelegt. Und das mit großem Erfolg, wie wir finden. Deswegen haben wir uns Anfang Oktober in’s Auto gesetzt und sind die 600 Kilometer in das beschauliche Dasing bei Augsburg gefahren. Was viele von Euch schon wissen werden ist, dass Tasmanian Tiger zu der großen Outdoormarke TATONKA gehört. Im Interview gehen wir näher auf diesen Zusammenhang ein und wie es dazu kam. Heute erhalten wir auf jeden Fall eine exklusive Führung durch die heiligen Hallen durch den Inhaber Andreas Schechinger, den Leiter Marketing Sebastian Glasner, den TT Vertriebsleiter Ronny Schauer und den Leiter der Produktentwicklung Jan Loschinski. Los geht’s mit den Fragen:

Moin Ronny, Du kommst ja gerade wieder aus Frankreich. Kennt man Tasmanian Tiger dort auch?
Die Marke Tasmanian Tiger wird mittlerweile fast weltweit vertrieben, der Bekanntheitsgrad steigt demnach stetig. Gerade in Frankreich haben wir einen sehr potenten Distributor, mit super Kontakten zu Behörden und Händlern. Und das Essen dort ist mal eine gute Alternative zu Haxn und Weißwurst.

Herr Schechinger, Sie sind natürlich von Anfang an dabei gewesen. Wie kam es zu der Marke Tasmanian Tiger?
Anfangs hatten wir überhaupt kein Logo bzw. keine Marke auf den Produkten, da wir zum damaligen Zeitpunkt unsere Outdoor Marke „Tatonka“ für Militär und Polizeiprodukte nicht benutzen wollten. Wir standen damals sogar auf der ersten IWA mit einem Stand ohne Logo – das war zwar auch eine Art Aufmerksamkeit zu generieren. Aber mir war klar, dass wir ohne eine den Produkten entsprechenden Marke nicht weiter machen konnten. So entwickelte sich über einen Zeitraum von ca. einem Jahr bei mir im Kopf eine Idee dafür wofür diese Marke stehen sollte. Und wie es dann so oft im Leben ist, kam im Fernsehen eine Reportage über den Tasmanischen Tiger, welcher ein perfekt an seine Umgebung angepasster Jäger mit guter Tarnung und ausgeprägtem Jagdinstinkt war. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts angeblich ausgestorben, gibt es unendlich viele Geschichten und Mythen darüber, sodass die Leute immer wieder behaupten, sie hätten ein solches Tier in Tasmanien gesehen. Dieser Gedanke „da“ oder „nicht da“ hat sich mir eingeprägt, weil dieser ja auch einher geht mit den ganzen Geschichten um Scharfschützen und Beobachter, welche gut getarnt – unsichtbar für den Feind ihren Job erfüllen müssen. Das sind genau die Eigenschaften, die wir bei allen Tarndrucken bei Tasmanian Tiger brauchen. Und wie es der Zufall dann so will verwendete damals unser Australischer Tatonka Distributor einen stilisierten Tasmanischen Tiger in seinem Firmenlogo. Ich hatte meinen Distributor dann damals gefragt ob er es gut und o.k. fände wenn wir für unsere Militär- und Polizeiprodukte den Tasmanischen Tiger mit seinem stilisierten Logo eintragen und verwenden würden und er fand die Idee auch richtig gut. So kam es dann dazu, dass wir am 09.02.1999 die Marke Tasmanian Tiger zur Eintragung angemeldet haben.

Und wie es dann so oft im Leben ist, kam im Fernsehen eine Reportage über den Tasmanischen Tiger, welcher ein perfekt an seine Umgebung angepasster Jäger mit guter Tarnung und ausgeprägtem Jagdinstinkt war … angeblich ausgestorben, gibt es unendlich viele Geschichten und Mythen darüber, sodass die Leute immer wieder behaupten, sie hätten ein solches Tier in Tasmanien gesehen.


Erinnern Sie sich noch an den ersten großen Auftrag für TT?
Der erste große TT Auftrag war noch zu einer Zeit, als wir TT noch gar nicht eingetragen hatten und wir TT noch als SMU (Special Make Ups) bei Tatonka gemacht hatten. Es war ein Auftrag über 350 Taschen für das österreichische Sondereinsatzkommando für deren Helme und Schutzwesten. Dieser Auftrag ging damals noch durch glaube ich drei Hände bis der letztendlich bei denen ankam.

Wie groß war damals Ihre erste TT Kollektion? Was waren die Kernartikel?
Die „erste“ TT Kollektion bestand gerade mal aus vier Spezialartikeln – dem Ur-Chest Rig, einem ca. 85l Einsatzrucksack mit einer Art V1-System mit abnehmbaren Außentaschen und abnehmbarem Deckel, einem Top Loader Tagesrucksack und der Sondereinsatzkommando Tasche der Österreicher. Der Rest der Kollektion waren eigentlich Standard-Tatonka Artikel wie z.B. Gaiter, Kompressionssäcke oder Stausäcke in einer Art olivgrün ohne Logo – nur mit einem Label drin, dass der Hersteller eben TATONKA war. Insgesamt waren das aber nicht mehr als 20 Produkte insgesamt.

Jetzt mal das Fragezepter an Jan. Du kümmerst Dich ja mit Deinem Team um die Produktentwicklung bei Tasmanian Tiger und Tatonka. Wo siehst Du den größten Unterschied zwischen der Outdoor und der taktischen Szene?
Mein Herz blutet ja etwas beim Beantworten Deiner Frage – denn eigentlich bin ich ja eher der „Outdoor‘ler“ … ich habe auch immer noch keine TT -Visitenkarte. Der Outdoor-Markt hat sich in den letzten Jahren extrem kommerzialisiert. Leider sind die für uns wichtigen Aspekte am Produkt, wie Funktionalität, Design, Innovation und Qualität immer stärker in den Hintergrund gerückt. Preis, Umsatz, Marge ist manchen Händlern wichtiger … Der Kunde bekommt das nicht immer so mit – aber eigentlich ist er der Verlierer. Im taktischen Bereich steht das Produkt noch viel mehr im Fokus. Sowohl unser Händler aber auch die Anwender leben das voll aus .. die sind halt noch „Gear-ig“! Das macht eindeutig mehr Spass!

Bestimmt hast Du über die Jahre schon die kuriosesten Produktanfragen auf den Tisch bekommen. Gibt es eine besondere Anfrage, die bei Dir hängengeblieben ist?
Ronny lacht und wirft ein, dass Jan und er einst eine Tasche für Besamungsgeräte für die Tierwelt entwickelt haben. Ja, stimmt … die Besamungstasche war ein interner Hit …ich meine auch, dass das das erste Projekt zwischen Ronny und mir war ..„Ich glaube, dies (war) der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ (Casablanca). Aber ansonsten hatten wir einfach schon alles, was irgendwie mit Verpackungen und Nähen im Entferntesten zu tun haben könnte. So schnell schockt uns da nichts mehr. Schön sind immer die Erfinder (Rucksack mit eingebauter Regenjacke, austauschbare Rucksacktragesystem- Abdeckungen gegen sichtbare Schweißränder), die man im klärenden Gespräch auf den Boden der Realität zurückbringen muss. So leicht wird man mit Erfindungen zum Rucksack nicht reich.. und das wollen die dann nicht wahrhaben.

Bei dem großen, blauen schwedischen Möbelhaus trägt jedes Produkt einen nordischen Namen. Wo kommen bei Euch die Produktnamen her? Grade bei TT ist das relativ einfach: Wir versuchen dicht an der Funktion oder Anwendung des Produkts zu bleiben. Deswegen gib es keine „Weste Billy“ , sondern einen PLATE CARRIER LASERCUT… Bei TATONKA wird das schon schwieriger, hier haben viele Produkte aus historischen Gründen Eigennamen, dann kommt Werbung, Wettbewerb, SEO, Lizenz / Patente / Markenrechte … ein echt schwieriges Thema.

Und jetzt wird es ein weniger strategischer. Vielleicht kann uns bei der Frage Sebastian weiterhelfen. Es gibt ja bekanntermaßen derzeit viele Marken für taktisches Nylon auf dem Markt. Worin unterscheidet sich TT aus Deiner Sicht von den anderen Marken? Wenn man mal das ganze Marketing-Gedöns weglässt (lacht …was mir natürlich per se schwerfallen muss) sehe ich da ganz klar 3 Punkte: Die Marke Tasmanian Tiger wurde vor 15 Jahren von Andreas Schechinger mit großer Weitsicht ins Leben gerufen – und zwar nicht auf Grund seiner Liebe zum Militär, sondern um ein weiteres Standbein zu schaffen .. falls irgendwann einmal der Outdoor-Markt schwächeln sollte. Was ja heute leider eingetreten ist. In dem Sinne kommen unsere Produkte aus einem kaufmännisch geführten Unternehmen. Ja – wir wollen und müssen Geld verdienen. Und deshalb machen wir bestimmte Dinge nicht, dafür andere umso besser. Unsere Produktentwickler sind keine ehemaligen Soldaten, sondern Ingenieure, die das textile Handwerk von der Pique auf gelernt haben. Und vielleicht ist genau dieser Abstand zu den „Taktischen Anwendern“ der große Unterschied zu anderen Marken, weil wir uns die Produkte mit anderen Augen anschauen können und müssen. Natürlich spielt die Verantwortung für die eigene Fertigung auch eine sehr große Rolle.

Sebastian, Euer Marketing hat sich ja in den letzten Jahren massiv verbessert und wenn man die Kataloge von vor fast 15 Jahren sieht, merkt man auf den ersten Blick, wie sich die Marke entwickelt. Mit was können wir marketingtechnisch in nächster Zeit von Tasmanian Tiger rechnen?
Das ist schön, dass der gesteigerte Aufwand auch gesehen wird. Die TT Welt ist natürlich auch aus Sicht der Marketingkommunikation klar von Tatonka zu trennen. Es ist in ein sensibles Thema, das man nicht so ausschlachten kann wie wir es bei Tatonka machen. Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Kunden mit Produkten versorgen können, die ihnen die bestmögliche Unterstützung im Einsatz oder auch Notfall bieten. Das haben wir weiterhin vor:

  • Wir werden uns weiterhin auf die Professionalisierung und Kommunikation nach außen konzentrieren (TT-Webseite, Messen, Händlerunterstützung, Anzeigen,…)
  • Es wird wieder einen tollen Tasmanian Tiger-Katalog geben, mit ansprechenden Imagebildern aus einem eigens organisierten Fotoshooting.

Ronny, wenn wir schon gleich bei der Marktübersicht sind – wo siehst Du die aktuellen Trends in der taktischen Szene und wie reagiert Ihr auf diese Trends?
Wir beobachten seit geraumer Zeit den Wunsch nach noch leichteren, aber extrem robusten Materialien. Dementsprechend bieten wir im kommenden Jahr einen Plattenträger in skelettierter Form an, aus speziellem TPU Cordura 700. Auch kommen wir dem Wunsch nach mehr Modularität nach. Neue Produkte sind modular angelegt und sowohl miteinander als auch mit bestehenden Artikeln kombinierbar, mit dem Ergebnis, dass die Ausrüstung äußerst passgenau und sehr individuell auf spezifische Einsätze abgestimmt werden kann. Speziell die neuen modularen Rucksäcke werden somit auch unterschiedlichen Nutzungsszenarien gerecht.

Farben und Camouflage-Muster sind ja immer ein Thema. Die Carbon Grau-Serie dieses Jahr ist ja äußerst gut angelaufen. Welche Farben und Camouflage-Muster können wir als nächstes von TT erwarten?
Auch wenn anspruchsvolle Kunden manchmal von uns mehr Vielfalt bei den Camo‘s sehen wollen, muss man ehrlich bleiben und den Markt genau beobachten. Wir leben vom Verkauf (um den Gründer von TATONKA zu zitieren) … und nicht von schnelllebigen Trends. Und in der taktischen Szene haben sich da schon die Grundfarben bestätigt. Durch die immer stärker werdenden übergreifenden Einsatzszenerien und Übungen (Inter Agency Training) kann ich mir durchaus vorstellen, dass zivile rot- oder blautöne, wie wir sie momentan bei Medics, Bergwacht, THW sehen, auch in der eigentlich taktischen Szene Fuß fassen können. Aber eben auch umgekehrt … das der Sani oder Feuerwehrler mit TT -Ausrüstung in olive oder schwarz aufläuft.

Und zum Abschluß noch ein wenig nebendienstlicher Plausch – Der Kollege Loschinski hat uns neulich gesteckt, dass Du ja bei Deinem Lieblingshobby, dem Mountainbiken, die Berge immer nur runterfährst und keiner wirklich weiß, wie Du da immer hochkommst. Kannst Du das Geheimnis lüften? (Gruppe lacht)
Nicht sehr schnell, aber ausdauernd. Und eine hervorragende Tarnung (lacht). Eben ganz wie der Tasmanische Tiger. Der Mythos lebt also weiter.

Text: Benno Krewer
Bilder: Mark Mattingly

Ninja

Sich selbst vorzustellen ist immer so eine Sache, Selbst- und Fremdwahrnehmung und so. Daher kurz & knackig zu mir: als Teil der TACWRK Familie kümmere ich mich um Facebook, Instagram und den ein oder anderen Blogbeitrag, daher auch mein Spitzname „Marketing Ninja“. Schön, dass ich hier sein darf!

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